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15.10.2018 10:17:18


 

Die Legende der Jakobspilger

 

In der 1981/82 restaurierten St. Jakobskapelle in Ermensee, wird die Legende der Jakobspilger anhand von Bildern nacherzählt.

Schon vor tausend Jahren war das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela, am nordwestlichen Ende Spaniens am wilden Atlantik gelegen, neben Rom und Jerusalem das am meisten besuchte Ziel der Pilger aus dem Abendland. Auf verschiedenen Wegen erreichten sie nach Monaten das ferne Heiligtum und ebenso langwierig war der Weg zurück in ihre Heimat. Obwohl die Pilgerstrassen schon früh durch Hospize und andere Notstellen geschützt waren, war die Wallfahrt doch oft mit Unglück und Todesgefahr verbunden. Wie es zwei oberdeutschen Pilgern auf dem Weg nach Santiago erging, erzählt der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach im Jahre 1222. Auf den acht geschnitzten und farbig gefassten Tafeln wird in Ermensee die Mordgeschichte nacherzählt.

Zwei Jakobspilger, Vater und Sohn, werden von einem Gastwirt zum Übernachten eingeladen. Während die beiden Pilger im gemeinsamen Bett schlafen, versteckt der Wirt einen Pokal in ihrer Tasche, um sie als Diebe zu kompromittieren. Die Pilger, die wieder weiter auf Wanderschaft sind, werden durch den Wirt gestellt, der dem Vater den Pokal aus der Tasche zieht. Der Wirt geht mit den beiden Pilgern vor den Richter. Dann wird der Sohn, der sich für den Vater opfert, am Galgen aufgehähngt. Der gekümmerte Vater zieht weiter und betet in Santiago vor dem Gnadenbild des Apostels. Auf der Heimreise kommt er wieder am Galgen vorbei und findet seinen Sohn lebend daran hangen. In der Küche berichtet der Vater dem Wirt, dass der Sohn lebe. Der Wirt beteuert seine Unschuld und sagt, eher würden die "Güggeli", die er hier brate, davonfliegen, als dass er schuldig sei. Aber siehe, die "Güggeli" bekommen Federn und fliegen davon. Der Wirt ist überführt und wird seinerseits zum Galgen geführt.

Die Legende ist im Laufe der Zeit oft abgeändert erzählt worden. Die Jakobskapelle von Ermensee liegt am sogenannten Oberen Weg, der seinen Anfang in Einsiedeln hatte und über Luzern oder Muri-Beromünster-Sursee führte.

In Erinnerung an die Legende werden heute noch in der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada in Spanien hinter kunstvollem Gitter ein weisses Huhn und ein weisser Hahn als lebende Votivgaben für die wunderbare Errettung des Jünglings gehalten. Andere Varianten der Pilgerlegende befinden sich auf der Bösegg bei Willisau und in Tafers bei Freiburg.

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